Reden

Meine Rede im Stadtrat am 22. Juli 2021 zum Antrag “Offensive für bezahlbaren Wohnraum”

Meine Rede im Stad­trat am 22. Juli 2021 zum Antrag “Offen­sive für bezahlbaren Wohn­raum” im Manuskript:

Sehr geehrter Herr Erster Bürg­er­meis­ter,

sehr geehrte Damen und Her­ren!

Als ich mir den Antrag der “Dis­si­den­ten” angeschaut habe, war ich mir nicht so ganz klar: Ist das jet­zt wieder mal ein untauglich­er Ver­such aus der Satire­abteilung oder ein beson­ders hin­ter­hältiges Unter­fan­gen? 12 Mil­lio­nen Euro sollen im Rah­men eines Gesellschaf­ter­dar­lehens an die WID aus­gere­icht wer­den, um damit Bau­grund­stücke anzukaufen.

Unter TOP 8 sollen wir beschließen, die Zweck­bindung für Mit­tel teil­weise aufzuheben, die der WID für den Grund­stück­sankauf zur Ver­fü­gung gestellt wur­den. Das Geld soll statt für den Kauf weit­ere Grund­stücke erst mal für die Bebau­ung der vorhan­de­nen genutzt wer­den. Und nun wollen Sie doch wieder Geld für den Kauf von Grund­stück­en?

Für uns ist bekan­ntlich das Pro­jekt WID als solch­es schon eine falsche Weichen­stel­lung. Wed­er in Dres­den – mit stag­nieren­der Ein­wohn­erzahl –, noch sonst­wo in ganz Sach­sen haben wir einen anges­pan­nten Woh­nungs­markt. Das ist vor allem ein ide­ol­o­gisch gemacht­es Prob­lem. Es wird jet­zt im ländlichen Raum in Sach­sen sog­ar der Abriss von Woh­nun­gen gefördert! Wohnen ist vor allem deshalb teuer, weil Bauen so sehr teuer ist. Wer nach immer mehr durchreg­ulierten, kos­ten­treiben­den Vor­gaben für den Woh­nungs­bau schre­it, macht sich mit der gle­ichzeit­i­gen Forderung nach niedri­gen Mieten unglaub­würdig.

Diesem Prob­lem ist auch die WID aus­ge­set­zt. Selb­st die von der linken Seite des Saales her­beige­sehnte Miet­preis­bremse wird diesen Wider­spruch nicht auflösen kön­nen. Jed­er Grund­stück­skauf der WID greift außer­dem in den freien Markt ein, indem es ein Grund­stück dem Markt entzieht, auf dem z.B. Fam­i­lien ihren Wun­sch nach Wohneigen­tum hät­ten ver­wirk­lichen kön­nen. Derzeit gibt’s prak­tisch keine einiger­maßen bezahlbaren Grund­stücke in Dres­den mehr, auf denen solche Pro­jek­te real­isiert wer­den kön­nten.

Die AfD ver­fol­gt einen anderen Ansatz. Für die Fälle, in denen das Geld für die Miete nicht aus­re­icht, sprechen wir uns für eine Sub­jek­t­förderung aus. Also Wohn­geld. Damit kön­nen Per­so­n­en punk­t­ge­nau für die Phasen ihres Lebens unter­stützt wer­den, in denen es tat­säch­lich notwendig ist. Fehlbele­gun­gen infolge gestiegen Einkom­mens wer­den damit eben­so ver­mieden, wie der den Zwang, aus dem gewohn­ten Leben­sum­feld wegzuziehen, weil das Geld nicht mehr reicht.

Auch hät­ten wir dann weniger soziale Seg­re­ga­tion bis hin zur Ghet­to­bil­dung. Weit­ere Wege für eine Verbesserung der Wohn­si­t­u­a­tion sind die Erhöhung der Eigen­tum­squote und die Verbesserung der Infra­struk­tur im ländlichen Raum. Es kann nicht unser Ziel sein, alle Sach­sen für viel Geld auf engem Raum in den großen Städten anzusiedeln. Doch zurück zum Antrag: Die Finanzierung über ein Gesellschaf­ter­dar­lehen funk­tion­iert so nicht. Das hat uns auch die Ver­wal­tung noch mal schriftlich bestätigt. Mit einem Blick ins Gesetz wären Sie – eventuell – auch selb­st darauf gekom­men. § 488 Abs. 1 BGB lautet, ich zitiere:

„Durch den Dar­lehensver­trag wird der Dar­lehens­ge­ber verpflichtet, dem Dar­lehen­snehmer einen Geld­be­trag in der vere­in­barten Höhe zur Ver­fü­gung zu stellen. Der Dar­lehen­snehmer ist verpflichtet, einen geschulde­ten Zins zu zahlen und bei Fäl­ligkeit das zur Ver­fü­gung gestellte Dar­lehen zurück­zuzahlen.“

Nehmen wir mal im allergün­stig­sten Fall an, dass die WID die Zin­sen laufend erwirtschaften kön­nte. Wie soll die WID für hohe Kosten Grund­stücke kaufen, teuer bebauen, beson­ders gün­stig – wohlmöglich unter Mark­t­preis – ver­mi­eten und dabei noch Ein­nah­men erzie­len, um wenig­stens langfristig 12 Mil­lio­nen für die Rück­zahlung des Dar­lehens zu erwirtschaften?

Der fed­er­führende Finan­zauss­chuss erteilte deshalb auch völ­lig zu Recht diesem Antrag eine deut­liche Absage: Nur 2 Stim­men dafür, 8 Ablehnun­gen, der Rest Enthal­tun­gen.

Wir wer­den dem Bericht des Finan­zauss­chuss­es zus­tim­men und den Antrag damit ablehnen.