Reden

Luxus-Büros für die Verwaltung – Schlaglöcher und Stolperfallen für die Bürger?

Meine Rede zur Aktuellen Stunde zum The­ma “Investi­tion­spri­or­itäten bei der Auf­stel­lung des Dop­pel­haushalts 2023/24” in der Stad­tratssitzung am 12. Mai 2022. Es gilt wie immer das gesproch­ene Wort.

Sehr geehrter Herr Ober­bürg­er­meis­ter, meine Damen und Her­ren! Eine Aktuelle Stunde, die sich mit den Pri­or­itäten für Investi­tio­nen im noch aufzustel­len­den Dop­pel­haushalt 2023/24 befasst – das kann man jet­zt machen, wenn man ohne eige­nen Kan­di­dat­en in den OB-Wahlkampf gehen muss. Oder man berät darüber in den Haushaltsver­hand­lun­gen, wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen. Notwendig ist eine ganzheitliche Betra­ch­tung: inves­tiv und kon­sum­tiv. Nehmen wir zunächst das Beispiel Verkehrsin­fra­struk­tur: Straßen und Gehwege. Seit Jahrzehn­ten leben wir schon von der Sub­stanz. Wenige Großpro­jek­te im Haupt­straßen­netz wer­den real­isiert – während Neben­straßen und Gehwege vor sich hin rot­ten. Die weni­gen Mit­tel, die für notwendi­ge Instand­hal­tungs­maß­nah­men zur Ver­fü­gung ste­hen, sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie reichen bei weit­em nicht aus, um den sta­tus quo aufrecht zu enthal­ten. Dass laufende Instand­hal­tung alle­mal gün­stiger ist, als die Infra­struk­tur solange herunter zu wirtschaften, bis nur noch grund­haft neu gebaut kann, ist eine Bin­sen­weisheit. Es kann nicht Auf­gabe der Stadt­bezirks­beiträte sein, hier dem Straßen- und Tief­bauamt dauer­haft finanziell unter die Arme zu greifen. Natür­lich gibt es wichtigeres als Straßen in Dres­den, z. B.:

  • Bildungs‑, Kul­tur- und Sozialein­rich­tun­gen, auch Sport­stät­ten,
  • die Förderung von Fam­i­lien, die sich in Dres­den dauer­haft nieder­lassen und Wohneigen­tum erwer­ben wollen – ein Antrag unser­er Frak­tion dazu ist heute auf der Tage­sor­d­nung,
  • die öffentliche Sicher­heit und Ord­nung: es ist eine Schande für Dres­den, dass – wie jüngst geschehen – ein 14jähriger am heller­licht­en Tag auf der Prager Straße wegen 1,27 Euro aus­ger­aubt wird.

Nach der Mehrheit des Stad­trates sind aber auch Luxu­s­pro­jek­te wie der Neubau des Ver­wal­tungszen­trums am Fer­di­nand­platz wichtiger als unsere Verkehrsin­fra­struk­tur. Mod­ern­ste Luxus-Büros für die Ver­wal­tung – Schlaglöch­er und Stolper­fall­en für die Bürg­er? Das neue Ver­wal­tungszen­trum kön­nte sich zu einem finanziellen Desaster für Dres­den entwick­eln. 140 Mil­lio­nen sind für den Baukör­p­er ver­an­schlagt. Zuzüglich der Tief­bauar­beit­en von 2,4 Mil­lio­nen. Weil bere­its dafür das Geld nicht aus­re­icht, soll der Stad­trat heute 1,83 Mil­lio­nen nach­le­gen. Wieviel wird der Steuerzahler am Ende wirk­lich zahlen, damit sich die Ver­wal­tungsspitze ihr hässlich­es Denkmal aus Glas und Beton set­zen kann? Die unkalkulier­bare wirtschaftliche Entwick­lung, explodierende Energiekosten und Erzeuger­preise (30,9 Prozent im März gegenüber dem Vor­jahrsmonat) – das sind für mich die größten Her­aus­forderun­gen für den kom­menden Dop­pel­haushalt sowie für die mit­tel­fristige Finanz­pla­nung. Das Bun­des­bau­min­is­teri­um hat bere­its gezeigt, wohin die Reise geht: Für wesentliche Baustoffe wurde eine Stoff­preis­gleitk­lausel einge­führt. Damit wer­den für Verträge des Bun­des – auch für bere­its abgeschlossene – nachträgliche Preisan­pas­sun­gen ermöglicht. Weit über 300 Mil­lio­nen schiebt Dres­den schon jet­zt für nicht real­isierte Investi­tio­nen vor sich her. Das wird heute an ander­er Stelle eben­falls noch The­ma sein.

  • Lassen sich über­haupt genü­gend Kapaz­itäten für Pla­nung und Bauaus­führung find­en, um sie in abse­hbar­er Zeit zu real­isieren?
  • Find­end wir über­haupt jeman­den, der gegen­wär­tig wil­lens und in der Lage ist, verbindliche Preise aufzu­rufen? (Bei ein­er Umfrage des Hauptver­ban­des der Deutschen Bauin­dus­trie haben 32 Prozent der Bau­un­ternehmen angegeben, derzeit gar keine Ange­bote für Bau­vorhaben mehr abzugeben.)
  • Wieviel müssen wir ggf. nach­le­gen?

Der neue Haushalt kann daher nur eine Pri­or­ität ken­nen: Daseins­für­sorge für unsere Bürg­er an Stelle von Klientel‑, Ide­olo­gie- und Luxu­s­pro­jek­ten!