Standpunkte

Coro­na-Quer­front???

In die­sen Tagen ist ein recht inter­es­san­tes Phä­no­men in Dres­den (und anders­wo) zu beob­ach­ten: Links und Rechts spa­zie­ren und demon­strie­ren gemein­sam gegen die Beschrän­kung ihrer Grund­rech­te durch die Regie­run­gen in der sog. Coro­na-Kri­se. Man war es bis­her gewohnt auf ver­schie­de­nen Sei­ten der Poli­zei­ket­te zu ste­hen. Doch nun ver­schwim­men Sonn­abends Nach­mit­tags die Fronten.

Auch heu­te kam das bun­ten Völk­chen wie­der am Palais­teich im Gro­ßen Gar­ten zusam­men. Es waren deut­lich mehr als eine Woche zuvor. Ech­te und ver­meint­li­che Ver­schwö­rungs­therore­ti­ker, Impf­geg­ner, Coro­na-Kri­ti­ker, Anhän­ger diver­ser lin­ker und rech­ter Grüpp­chen, Pegi­da-Gän­ger und natür­lich AfD­ler samt eini­ger Stadträte.

Gemein­sam zoll­ten sie der öffent­li­chen Rezi­ta­ti­on der Grund­rech­te Bei­fall. Eini­ge tra­gen selbst Grund­ge­set­ze mit sich, oder poli­tisch kaum zuor­den­ba­re Bot­schaf­ten, ande­re die Natio­nal­far­ben schwarz-rot-gold.

Der gemein­sa­me Nen­ner beschränkt sich längst nicht auf die Ver­tei­di­gung des Grund­ge­set­zes gegen die Herr­schen­den. Ver­eint geht es gegen Glo­ba­li­sie­rung, Schat­ten-Eli­ten, und vor allem den Main­stream – von Medi­en­ver­sa­gen, Kon­sum­ter­ror bis zum ein­fach nur ver­hass­ten Lebens­stil der Duck­mäu­ser und Angepassten.

Kurz­um: Es ent­lädt sich ein Ven­til. Es geht Dampf vom Kessel.

Wie ist nun aber die Pro­gno­se die­ser neu­en Quer­front der Stra­ße? Wird sie noch Bestand haben, wenn die für den Ein­zel­nen spür­ba­ren Restrik­tio­nen weit­ge­hend auf­ge­ho­ben sein werden?

Wohl eher nicht. Man wird bald wie­der getrennt und gegen­ein­an­der mar­schie­ren. Das Tren­nen­de ist zu groß: Man den­ke etwa an so etwas wie Nati­on – Volk – Iden­ti­tät – Kommunismus/​Marktwirtschaft – Klima/​Natur – Familie/​Gender – Lebens­stil. Das sind nur eini­ge The­men, von denen bereits ein ein­zi­ges für sich genom­men aus­reicht, um die Quer­front nach­hal­tig und dau­er­haft zu spren­gen. Gera­de was das Ver­hält­nis zur eige­nen eth­nisch-deut­schen Iden­ti­tät betrifft, so wird man hier nie auf einen gemein­sa­men Nen­ner kom­men. Die Quer­front ist und bleibt eine rei­ne Wunsch­vor­stel­lung, besten­falls geeig­net für frucht­lo­se Hinterzimmereröterungen.

Man sieht gemein­sam vie­le Pro­ble­me, Unzu­läng­lich­kei­ten und sogar Gefah­ren. Aber die Lösun­gen sind inkom­pa­ti­bel. Eine Sei­te wird sich durch­set­zen müs­sen. Bit­ten wir Gott, dass es die rich­ti­ge ist.