Reden,  Stadtrat

Rede im Stadtrat am 23. September 2021: An die Opfer religiös motivierter Gewalt erinnern.

Sehr geehrter Herr Ober­bürg­er­meis­ter,

meine Damen und Her­ren!

Für ein freies Land ist es unvorstell­bar, dass ein Men­sch einen anderen aus religiösen Motiv­en tötet. Wir waren der Mei­n­ung, dass die Völk­er Europas religiös motivierte Gewalt in einem lan­gen, mit vie­len Opfern ver­bun­de­nen Erken­nt­nis­prozess endgültig hin­ter sich gelassen hat­ten. Warum haben wir es zuge­lassen, dass der­ar­tige Tat­en – bis hin zum feigen Mord – seit eini­gen Jahren schon fast wieder zu unserem All­t­ag gehören?

Es gibt keinen Gott, der solche Tat­en recht­fer­ti­gen kön­nte und auch keine psy­chi­a­trische Aus­nahme­si­t­u­a­tion.

Die AfD-Frak­tion ist der Mei­n­ung, dass wir in Dres­den eine Stätte des Erin­nerns und Gedenkens an die Opfer brauchen. Der FDP-Antrag in sein­er ursprünglichen Fas­sung entspricht auch unser­er Inten­tion. Mit der Änderung im Kul­tur­auss­chuss, der die Opfer religiös motiviert­er Gewalt nun plöt­zlich durch die Opfer homo­phober und trans­pho­ber Gewalt erset­zt, kön­nen wir jeden­falls nicht mit­ge­hen. Sie wird dem konkreten Anlass, dem Mord bzw. ver­sucht­en Mord an dem homo­sex­uellen Paar durch einen polizeibekan­nten islamistis­chen Gefährder vor fast einem Jahr hier mit­ten in Dres­den eben­so wenig gerecht, wie der Gesamt­si­t­u­a­tion auch in unser­er Stadt.

Ich beantrage deshalb, den ursprünglichen Antrag der FDP zur Grund­lage der Abstim­mung zu machen. (Wir entsprechen natür­lich dem Wun­sch der Ange­höri­gen und gehen bei der Stre­ichung von Punkt 3 mit. Selb­stver­ständlich ist auch das Datum in 30.03.2022 zu aktu­al­isieren.) Auch der neue Änderungsantrag der CDU trifft’s nicht: Warum belassen Sie es bei ein­er der­art ein­seit­i­gen Ein­bindung von Inter­essen­vertretern? Damit gehen auch Sie weit­er­hin dem Umdeu­tungsver­such auf den Leim.

Es gibt ein entschei­den­des Merk­mal, das das Ver­brechen von Dres­den mit weit­eren, sich in den let­zten Jahren häufend­en Straftat­en verbindet: Der Täter han­delte auf­grund ein­er Inter­pre­ta­tion sein­er Reli­gion und ein­er darauf beruhen­den kul­turellen Sozial­isierung, die mit unser­er frei­heitlich-demokratis­chen Grun­dord­nung nicht vere­in­bar ist. Ter­ro­rak­te, Ver­brechen und son­stige Straftat­en aus diesem Mil­lieu tre­f­fen aber nicht nur Homo- oder Trans­sex­uelle.

Sie tre­f­fen Frauen weil sie Frauen sind – denken Sie an Würzburg oder an viele der Ehren­morde. Sie tre­f­fen Men­schen, deren Lebensen­twurf oder religiöse Ein­stel­lung (Juden, Chris­ten, Ex-Mus­lime und sog­ar mod­er­ate Mus­lime) im Welt­bild dieser religiösen Fanatik­er keine Exis­tenzberech­ti­gung hat – soge­nan­nte „Ungläu­bige“ nicht mal ein Recht auf Leben haben. Sie kön­nen jeden tre­f­fen – wie am Bre­itscheit­platz in Berlin.

Von 697 in Deutsch­land bekan­nten Gefährdern wird bei 596 eine religiöse Moti­va­tion angenom­men. Der Mörder von Dres­den war ein­er von ihnen. Wir ste­hen in der Pflicht, das alles klar und deut­lich auszus­prechen. Wer hier wegschaut, umdeutet, rel­a­tiviert oder gar ver­tuscht, macht sich moralisch mitschuldig.

Warum wollen Sie also eine Opfer­gruppe her­aus­greifen? Geht es dabei um die ide­ol­o­gis­che Deu­tung­shoheit? Geht es dabei wieder ein­mal um eine Hier­ar­chie der Opfer? Geht es um die Etablierung ein­er Iden­tität­spoli­tik?

Religiös motivierte Über­griffe bis hin zum Mord haben in unserem Deutsch­land, sie haben in unserem Europa nichts zu suchen. Deshalb will die AfD-Frak­tion an ALLE Opfer religiös motiviert­er Gewalt erin­nern.