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Quartiersmanagement wird Probleme nicht lösen können

In ein­er Anfrage an den Ober­bürg­er­meis­ter (AF0372/25) wollte ich Näheres zum Quartiers­man­age­ment „Budapester Straße Ost” wis­sen. Haupt­prob­lem des Wohnge­bi­ets an der Budapester Straße ist, dass es beson­ders durch einen weit über­durch­schnit­tlich hohen Migran­tenan­teil belastet ist.

Im Rah­men des Städte­bauförder­pro­gramms „Sozialer Zusam­men­halt“ wurde im Förderge­bi­et „Budapester Straße Ost“ ab dem 1. Jan­u­ar 2024 ein Quartiers­man­age­ment einge­set­zt. Dieses Man­age­ment zielt darauf ab, die soziale Infra­struk­tur zu stärken und den Zusam­men­halt der Bewohn­er zu fördern. Es ist jedoch wichtig zu beto­nen, dass die bish­eri­gen Maß­nah­men zwar erste Ansätze zur Förderung des gesellschaftlichen Zusam­men­lebens schaf­fen, aber keine grundle­gen­den Lösun­gen für die tiefer­ge­hen­den Prob­leme liefern kön­nen.

Seit der Imple­men­tierung des Quartiers­man­age­ments wur­den ver­schiedene Pro­jek­te und Ver­anstal­tun­gen durchge­führt, darunter eine Willkom­mensver­anstal­tung, gemein­schaftliche Aktio­nen wie der Hof­putz, und kul­turelle Feste. Den­noch beste­hen weit­er­hin sig­nifikante Defizite in der sozialen Infra­struk­tur und der fußläu­fi­gen Erre­ich­barkeit der Ein­rich­tun­gen im Quarti­er.

Mit der geplanten Bere­it­stel­lung eines Mon­i­tor­ing- und Eval­u­a­tions­berichts soll zwar ein Überblick über Fortschritte und beste­hende Lück­en geliefert wer­den. Für den städtis­chen Haushalt­s­pla­nen­twurf 2025/2026 bis 2032 sind 150.000 Euro vorge­se­hen, doch auch diese finanziellen Mit­tel wer­den nicht aus­re­ichen, um langfristige Lösun­gen für die beste­hen­den Prob­leme zu find­en. Der Fokus auf Migra­tionspoli­tik und deren grundle­gende Neuaus­rich­tung ist uner­lässlich, um die Leben­squal­ität der Anwohn­er nach­haltig zu verbessern.

Trotz inten­siv­er Bemühun­gen zur Verbesserung der Inte­gra­tion löst dies die Prob­lematik nicht grundle­gend und dient lediglich dazu, die Symp­tome ein­er desas­trösen Migra­tionspoli­tik zu behan­deln.


Hier die Fragen und Antworten meiner Anfrage im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Dr. Schöps,

Ihre oben genan­nte Anfrage beant­worte ich wie fol­gt:

„Im Rah­men des Städte­bauförder­pro­gramms „Sozialer Zusam­men­halt” wurde im Förderge­bi­et „Budapester Straße Ost” ab dem 1.1.2024 ein Quartiers­man­age­ment einge­set­zt.”

1. „Wurde die Installation und Umsetzung eines Stadtteilbüros vollumfänglich realisiert?”

Ja, das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe ist vol­lum­fänglich real­isiert und im Juni 2024 im Stadt­teil­büro auf der Budapester Straße 69 im Förderge­bi­et „Budapester Straße Ost” einge­zo­gen.

2. „Konnte die Motivierung und Aktivierung von Bewohnern, Unternehmen, sozialen Trägern und anderen Akteuren zum Engagement für den eigenen Stadtteil erreicht werden? Welche Projekte und Veranstaltungen wurden bisher durchgeführt? Wie viele Bewohner, Unternehmen, soziale Träger und andere Akteure nahmen daran teil?”

Mit dem Einzug wurde eine öffentliche Willkom­mensver­anstal­tung am 20. Juni 2024 mit zahlre­ichen lokalen Akteuren, Vertreterin­nen aus Poli­tik und Wirtschaft sowie Teil­nehmenden aus der Bewohn­er­schaft durchge­führt.

Weit­ere Pro­jek­te und Ver­anstal­tun­gen waren der gemein­schaftliche Hof­putz am 7. Mai 2024 mit der Vonovia, dem Kindertr­e­ff „Tre­ff im Hochhaus” und dem mobilen Ange­bot (MOBA) vom Aus­län­der­rat Dres­den e. V. sowie zahlre­ichen Nach­barin­nen und Nach­barn und deren Kindern, unter­stützt durch Vertreterin­nen vom Amt für Stadt­grün und Abfall­wirtschaft mit etwa 40 Teil­nehmenden unter­schiedlich­er Alters­grup­pen.

Zum Welt­spiele­tag am 28. Mai 2024 ver­wan­delte sich der Innen­hof der Leub­nitzer Straße/Budapester Straße in ein buntes Spiel­paradies. Dank der Förderung durch den Ver­fü­gungs­fonds und der tatkräfti­gen Unter­stützung des Kindertr­e­ffs „Tre­ff im Hochhaus”, des MOBA und des Quartiers­man­age­ments Süd­höfe erlebten die Kinder aus der Nach­barschaft einen Tag voller Spiel, Spaß und Kreativ­ität. Mit über 50 Kindern kon­nte neben dem Spiel auch ein Stim­mungs­bild für die Wün­sche der Kinder und Jugendlichen im Quarti­er über Gespräche und einen malerischen Work­shop gesam­melt wer­den.

Gemein­sam mit dem Amt für Stadt­pla­nung und Mobil­ität ini­ti­ierte das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe zum Tag der Nach­barschaft am 31. Mai 2024 eine Infover­anstal­tung zum geplanten Spielplatz an der Wielandstraße/Hohe Straße. Ins­beson­dere die unmit­tel­bar Anwohnen­den wur­den anhand ein­er Ausstel­lung über die ver­schiede­nen Nutzungsmöglichkeit­en und Spiel­geräte informiert. Etwa 25 Teil­nehmende kon­nten inner­halb von zwei Erläuterungsrun­den erre­icht wer­den und darüber hin­aus mit dem Quartiers­man­age­ment Süd­höfe ins Gespräch kom­men.

Am 31. August 2024 fand das bunte Stadt­teil­fest im Innen­hof der Leub­nitzer Straße statt. Gemein­sam mit der Vonovia und zahlre­ichen lokalen Vere­inen und Ein­rich­tun­gen sowie engagierten Ehre­namtlichen wurde das erste Stadt­teil­fest organ­isiert und erfol­gre­ich durchge­führt. Die Schätzun­gen der Teil­nehmenden belaufen sich auf etwa 500 Per­so­n­en, was etwa ein Zehn­tel der Bewohn­er­schaft im Förderge­bi­et „Budapester Straße Ost” aus­macht.

Weit­ere geförderte Pro­jek­te sind der quar­tal­sweise erscheinende Ver­anstal­tungskalen­der für die Süd­vorstadt West, die Beschaf­fung von drei mobilen Graf­fi­ti­wän­den für den Jugendtr­e­ff Süd­vorstadt, die Ausstat­tung des Stadt­teil­fun­dus zur Auslei­he an die Nach­barschaft, ver­wal­tet vom Quartiers­man­age­ment Süd­höfe, zwei Schaukästen im Bere­ich der Haus­seite vom Quartiers­man­age­ment Süd­höfe an der Budapester Straße und im Bere­ich der Bushal­testelle an der Schweiz­er Straße, ein Deutschsprachkurs in Zusam­me­nar­beit mit dem SAMF-Pro­jekt (sozial­wis­senschaftliche Arbeits­mark­t­forschung) des Aus­län­der­rates Dres­den e. V. in den Räu­men des Quartiers­man­age­ments Süd­höfe sowie zum Jahresab­schluss gemein­schaftliche Adventsmusik in unter­schiedlichen Höfen des Städte­bauförderge­bi­etes „Budapester Straße Ost”

Ins­ge­samt kon­nten durch die Pro­jek­te und Ver­anstal­tun­gen bere­its zahlre­iche Men­schen aus dem Städte­bauförderge­bi­et „Budapester Straße Ost” erre­icht wer­den. Das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe kon­nte sich im ersten Laufzeit­jahr 2024 bere­its vor Ort etablieren. Dies spiegelt sich sowohl in der Auf­gabe als Infor­ma­tion­sstelle anhand von rund 430 Anfra­gen von Bewohner­in­nen und Bewohn­ern, Akteuren und Ein­rich­tun­gen im Rah­men von dig­i­tal­en Kon­tak­tauf­nah­men als auch im Aus­tausch inner­halb der Sprechzeit­en im Stadt­teil­büro sowie durch Besuche von Trägern und Präsen­zter­mi­nen im öffentlichen Raum wider. Ins­beson­dere im Bere­ich de Ver­net­zung zwis­chen den lokalen als auch als Ver­mit­tler zwis­chen den poli­tis­chen Akteuren und den Bedar­fen im Stadt­ge­bi­et kon­nte sich das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe als wichtige Schlüs­selfig­ur zur Ziel­er­re­ichung der Stärkung des sozialen Zusam­men­haltes her­vor­tun.

Das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe füllt eine wesentliche Lücke im Städte­bauförderge­bi­et, denn die Koor­dinierung aller lokalen Akteure mit ihren Ein­rich­tun­gen und Ange­boten kon­nte vor der Instal­la­tion des Quartiers­man­age­ments nicht aus­re­ichend abgedeckt wer­den. So kon­nte das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe bere­its Akteure und Ange­bote miteinan­der verknüpfen, was zur Steigerung der Attrak­tiv­ität von Ange­boten, Reich­weit­en­ergänzung als auch zur Förderung der Beteili­gung unter­schiedlich­er Ziel­grup­pen beige­tra­gen hat.

3. „Liegen bereits Monitoring- und Evaluationsergebnisse vor? Wenn ja, zu welchem Ergebnis kommen diese?”

Für das Städte­bauförderge­bi­et „Budapester Straße Ost” liegt ein erster Mon­i­tor­ing- und Eval­u­a­tions­bericht vor, welch­er weit­er fort­geschrieben wer­den soll. Im Bericht wer­den der Sta­tus Quo und die Entwick­lung des Gebi­etes sys­tem­a­tisch analysiert und die gewonnenen Erken­nt­nisse mit Hand­lungsempfehlun­gen gestützt.

Zusam­men­fassend ist für das Städte­bauförderge­bi­et im Rah­men der pos­i­tiv­en Ein­wohner­en­twick­lung und als attrak­tiv­er Wohn­stan­dort ins­beson­dere für Fam­i­lien festzustellen, dass es deut­liche Defizite im Bere­ich der sozialen Infra­struk­tur und der fußläu­fi­gen Erre­ich­barkeit gibt.

Eben­so gibt es bis­lang keine öffentlichen Spielplätze und Sport­flächen. Für die Verbesserung der Bar­ri­ere­frei­heit sind Poten­ziale im Gebi­et vorhan­den. Der Anteil von Men­schen mit Migra­tionsh­in­ter­grund ist über­durch­schnit­tlich stark gegenüber der Gesamt­stadt und stetig steigend. Eben­so liegt der Anteil von Men­schen mit staatlichen Bezü­gen über­durch­schnit­tlich hoch im Ver­gle­ich zur Gesamt­stadt.

Im Sinne des sozialen Zusam­men­halts und der Sta­bil­isierung der Wohn­bevölkerung soll­ten die Bevölkerungs­dat­en Berück­sich­ti­gung find­en. Inves­tive und nicht­in­ves­tive Maß­nah­men soll­ten insofern aus­gestal­tet wer­den, dass die Teil­habe aller Bevölkerungs­grup­pen ermöglicht wird. Möglichkeit­en zur Ver­net­zung der Wohn­bevölkerung soll­ten genutzt und Ressourcen für die gegen­seit­ige Unter­stützung mobil­isiert wer­den, z. B. in Form gen­er­a­tio­nenüber­greifend­er und ander­er inte­gra­tiv­er Ange­bote. In diesem Rah­men ist auch die Zusam­me­nar­beit mit der Vonovia SE von beson­der­er Bedeu­tung für die Entwick­lung des Städte­bauförderge­bi­etes „Budapester Straße Ost”.

Derzeit wird ein sozial- und umweltverträglich­es Konzept für die Freiräume und Innen­höfe entwick­elt, welch­es ins­beson­dere eine klim­agerechte und zukun­ft­sori­en­tierte gesamträum­liche Entwick­lung des Städte­bauförderge­bi­ets organ­isieren soll. Anhand des Freiraum- und Innen­hofkonzeptes sollen einzelne Pro­jek­te und Maß­nah­men für eine gen­er­a­tio­nenüber­greifende und inte­gra­tive Freiraumgestal­tung im Rah­men der Städte­bauförderung umge­set­zt wer­den.

4. „Der Vertrag wurde zunächst mit einer Laufzeit vom 1. Januar 2024 bis zum 31. Dezember 2025 geschlossen. Die Option zur Verlängerung des Vertrages muss mindestens bis 6 Monate vor Ende der Vertragslaufzeit gezogen werden. Ist seitens der Landeshauptstadt Dresden derzeit eine Verlängerung beabsichtigt? Ist deren Fortsetzung im Haushaltsplan 2025/26 abgesichert? Wenn ja, welche Kosten entstehen der Landeshauptstadt Dresden durch das Quartiersmanagement in den Jahren 2025 sowie 2026?”

Das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe wird bei der Pla­nung und Durch­führung der Maß­nah­men als wichtiger Schlüs­se­lak­teur in die Prozesse einge­bun­den und kann mit einzel­nen Pro­jek­ten aktiv vor Ort mitwirken und unter­stützen.

Der Ein­satz eines Quartiers­man­age­ments ist im durch den Stad­trat am 1. Juli 2021 beschlosse­nen Gebi­et­skonzept (Beschluss zur Vor­lage V0821/21 „Bestä­ti­gung der Gebi­et­sum­griffe und Entwick­lungsstrate­gien für neue Förderge­bi­ete der Stadterneuerung und Auf­trag zur Akquirierung von För­der­mit­teln”) als eine Maß­nahme sowohl inhaltlich als auch finanziell ver­ankert und in der Förder­richtlin­ie zur Städte­bauförderung definiert. In der Pro­gram­maus­rich­tung des Sozialen Zusam­men­halts ist das Quartiers­man­age­ment ein­schließlich der Umset­zung des Ver­fü­gungs­fonds ein nicht­in­ves­tiv­er Förder­tatbe­stand. Alle weit­eren Finanzmit­tel wer­den zur städte­baulichen Entwick­lung des Förderge­bi­etes in der Regel für Investi­tion­spro­jek­te ver­wen­det.

Derzeit ist das Quartiers­man­age­ment Süd­höfe im städtis­chen Haushalt­s­pla­nen­twurf für 2025/2026 sowie in den Fol­ge­jahren bis zum Ende des Durch­führungszeitraumes bis 2032 mit zir­ka 150.000 Euro eingestellt. Die europaweite Auss­chrei­bung entsprechend der aktuellen Ver­gaberichtlin­ien der Lan­deshaupt­stadt Dres­den wird bis sechs Monate vor Ende der Ver­tragslaufzeit stat­tfind­en, sodass die Ein­rich­tung des Quartiers­man­age­ments Süd­höfe weit­er­hin gewährleis­tet wer­den kann.