Anfragen,  Kultur&Tourismus

Anfra­ge: Im Rah­men des 17. Juni 2023 in Dres­den geplan­te Aktivitäten

Im kom­men­den Jahr jährt sich der Volks­auf­stand vom 17. Juni 1953 zum 70. Mal. Ich woll­te von der Stadt­ver­wal­tung wis­sen, wie die­ses Ereig­nis gewür­digt wer­den soll. Hier die Ant­wort auf mei­ne Anfrage:

Im Rah­men des 17. Juni 2023 in Dres­den geplan­te Akti­vi­tä­ten (AF2403/​22)

Sehr geehr­te Frau Dr. Schöps,

zu Ihrer Anfra­ge erlau­be ich mir zunächst den Hin­weis, dass mei­ner Ansicht nach kein Anspruch auf Beant­wor­tung besteht, weil sie kei­ne ein­zel­ne Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 28 Abs. 6 Sächs­Ge­mO betrifft.

Die Anfra­ge zielt auf einen all­ge­mei­nen Gesamt­über­blick über ledig­lich erwar­te­te oder erhoff­te Sach­ver­hal­te. Sol­che all­ge­mei­nen Über­sich­ten erfül­len nicht die vom Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­wickel­te Defi­ni­ti­on einer ein­zel­nen Ange­le­gen­heit als „kon­kre­ter Lebens­sach­ver­halt«; SächsOVG, Urteil vom 7. Juli 2015, 4 A 12/​14, Rn. 28: „Ein kon­kre­ter Lebens­sach­ver­halt ist dann gege­ben, wenn er nach Ort, Zeit und dem Kreis der even­tu­ell betrof­fe­nen Per­so­nen bestimm­bar ist; dabei muss zwi­schen die­sen Ele­men­ten eine inhalt­li­che Ver­bin­dung vor­han­den sein.« Zudem muss der Sach­ver­halt „über­schau­bar« sein; SächsOVG, Urteil vom 6. Juli 2021, 4 A 691/​20, Rn. 33, 34. Auch nach dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch ist ein Bezug der Anfra­ge zu einem ganz bestimm­ten Ereig­nis, Vor­fall oder Gesche­hen erfor­der­lich; vgl. VG Chem­nitz, Urteil vom 6. Novem­ber 2013, 1 K 549/​13. Dar­an fehlt es bei die­ser auf all­ge­mei­ne Aus­for­schung gerich­te­ten Anfrage.

Soweit ich ein eige­nes Inter­es­se an der Beant­wor­tung der Anfra­ge habe, beant­wor­te ich diese—ohne Aner­ken­nung einer Rechts­pflicht und ohne Bin­dungs­wil­len für künf­ti­ge ver­gleich­ba­re Konstellationen—wie folgt:

„Im Juni 2023 bege­hen wir den 70. Jah­res­tag des Volks­auf­stands vom 17. Juni 1953.« Dazu möch­te ich Sie um die Beant­wor­tung fol­gen­der Fra­gen bitten:

  1. Plant die Lan­des­haupt­stadt Dres­den, das Jubi­lä­um in beson­de­rer Wei­se (z.B. durch eine Schwei­ge­mi­nu­te, einen Gedenk­tag, einen Fest­akt etc.) zu bege­hen? Falls ja: Wie? Falls nein: War­um nicht? (Bit­te alle geplan­ten Maß­nah­men /​Akti­vi­tä­ten aufzählen.)«

Der 17. Juni 1953 ist ein über­aus wich­ti­ges Datum in der Demo­kra­tie­ge­schich­te unse­res Lan­des. Auch in Dres­den fan­den am 17. Juni 1953 Men­schen den Mut, für Demo­kra­tie und Frei­heit einzutreten.

Der Auf­stand, einer der ersten im sowjet­kom­mu­ni­sti­schen Macht­be­reich, konn­te nur durch das Ein­grei­fen der Roten Armee nie­der­ge­schla­gen wer­den. Über 50 Men­schen kamen ums Leben, mehr als 1600 Frau­en und Män­ner wur­den ver­folgt, ver­haf­tet und ver­ur­teilt. Die Lan­des­haupt­stadt Dres­den nimmt regel­mä­ßig am 17. Juni an ent­spre­chen­den Ter­mi­nen mit zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteu­ren aus dem Bereich der Erin­ne­rungs­kul­tur teil. Auch die poli­ti­schen Stif­tun­gen (hier expli­zit die Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung) brin­gen sich ein. Für das Jahr 2023 gibt es erste kon­zep­tio­nel­le Über­le­gun­gen, wel­che aber noch intern dis­ku­tiert wer­den müs­sen. Zudem muss ent­schie­den wer­den, ob die Lan­des­haupt­stadt Dres­den eine eige­ne Ver­an­stal­tung durch­führt, oder ob man als Koope­ra­ti­ons­part­ner an Ver­an­stal­tungs­for­ma­ten ande­rer Ver­ei­ni­gun­gen, Ver­ei­ne, Ver­bän­de, Stif­tun­gen und Insti­tu­tio­nen teil­neh­men wird.

Für den 70. Jah­res­tag des Arbei­ter­auf­stan­des wird dem­nächst ein Arbeits­ge­spräch über mög­li­che Ver­an­stal­tun­gen stattfinden.

  1. „Wel­che For­men des Geden­kens (z. B. im Rah­men von Ver­an­stal­tun­gen, Vor­trä­gen, Publi­ka­tio­nen, Son­der­aus­stel­lun­gen o. ä.) sind anläss­lich des Jubi­lä­ums von­sei­ten der the­ma­tisch rele­van­ten Ein­rich­tun­gen (ins­bes. Muse­en, Gedenk­stät­ten, Biblio­the­ken, Kul­tur­ein­rich­tun­gen) geplant?«

Eine Detail­pla­nung kon­kre­ter Vor­ha­ben und Maß­nah­men liegt noch nicht vor. Ent­spre­chen­de Ver­an­stal­tungs­for­ma­te und Pro­jek­te wer­den im Lau­fe des Jah­res 2022 suk­zes­si­ve entwickelt.

Pro­gramm­schwer­punk­te der Städ­ti­schen Biblio­the­ken Dres­den wer­den in der Herbst­klau­sur festgelegt.

Die Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung führt seit dem 17. Juni 2022 bis zum 17. Juni 2023, dem 70. Jah­res­tag des Arbei­ter­auf­stands, ein „Jahr der Erin­ne­rungs­kul­tur« durch, um sich dezi­diert aktu­el­len erin­ne­rungs­po­li­ti­schen Fra­ge­stel­lun­gen zu widmen.

  1. „Was ist der Lan­des­haupt­stadt Dres­den über wei­te­re Akti­vi­tä­ten rund um die­ses Jubi­lä­um bekannt, d. h. ins­be­son­de­re über Akti­vi­tä­ten, die vom Frei­staat Sach­sen, der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land oder pri­va­ten Initia­ti­ven in Dres­den durch­ge­führt wer­den und in wel­cher Wei­se wird in die­sem Zusam­men­hang mit­ein­an­der kommuniziert?«

Die von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­setz­te Kom­mis­si­on „30 Jah­re Fried­li­che Revo­lu­ti­on und Deut­sche Ein­heit« emp­fiehlt in ihren Hand­lungs­emp­feh­lun­gen vom 2. Juni 2022, die Erin­ne­rungs­ar­beit zum Volks­auf­stand vom 17. Juni 1953 zu verstärken.

Eine abschlie­ßen­de Ver­stän­di­gung zwi­schen dem Amt für Kul­tur und Denk­mal­schutz und der Abtei­lung Pro­to­koll zu Gedenk­ta­gen im Jahr 2023 soll nach der Som­mer­pau­se stattfinden.

Wei­te­re Pla­nun­gen und Ver­an­stal­tun­gen von zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteu­ren, Ver­ei­nen oder Ver­bän­den sind der Lan­des­haupt­stadt Dres­den zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt noch nicht bekannt.