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[Gastbeitrag:] Kritik am “Fachplan Asyl und Integration 2022”

Im „Fach­plan“ wird gle­ich in der Ein­leitung definiert, wofür die Ver­wal­tung und die Bürg­er von Dres­den bei der Betreu­ung von Ein­wan­der­ern ver­ant­wortlich sein sollen. Hun­derte von Men­schen wer­den in unser­er Stadt damit beschäftigt sein, die Zuge­wan­derten, denen offen­sichtlich jegliche Eigen­ver­ant­wor­tung abge­sprochen wird, „run­dum“ zu betreuen und zu ver­sor­gen.

Das entspricht in kein­er Weise dem Ver­ständ­nis der AfD, welche der Eigen­ver­ant­wor­tung des Einzel­nen einen großen Stel­len­wert beimisst. Abge­se­hen davon, dass das eine Bevor­mundung von uner­hörter Über­he­blichkeit durch OB und Stadtver­wal­tung ist, ist es falsch.

An erster Stelle soll­ten klare Forderun­gen an die Zugereis­ten ste­hen, wie sie sich hier zu ver­hal­ten und einzuord­nen haben. Wie viel Geld diese Betreu­ung kostet, davon ist in diesem Papi­er nir­gends die Rede. Die Bürg­er haben aber ein Recht darauf, dass zu erfahren, zumal sie es finanzieren müssen und ihre Mitwirkung von der Stadtver­wal­tung voraus­ge­set­zt wird. In diesem „Fach­plan“ wird uns auch gesagt, dass es eine gewaltige Auf­gabe sei, die Inte­gra­tion der hier Angekomme­nen zu bewälti­gen. Dass man aber die Ein­wan­derung drin­gend begren­zen muss, um zu ver­hin­dern, dass diese gewaltige Auf­gabe bei weit­erem Zuzug bald nicht mehr zu bewälti­gen sein wird, davon ist in diesem Papi­er lei­der nicht die Rede.

Die AfD hat schon mehrfach gefordert, dieses The­ma demokratisch und poli­tisch zu lösen. Inte­gra­tion sei eine städtis­che Auf­gabe, so heißt es. Die Bürg­er von Dres­den seien gefordert, diese Auf­gabe mit zu bewälti­gen. Nun wird es ja vielle­icht vie­len Bürg­ern gar nicht ein­leucht­en, für die Betreu­ung von Men­schen ver­ant­wortlich gemacht zu wer­den, die sie nicht ein­ge­laden haben, denn diese Ein­wan­derung ist nicht poli­tisch geregelt und beschlossen, son­dern alter­na­tiv­los von der Kan­z­lerin entsch­ieden wor­den, die damit die Regeln der Demokratie außer Kraft geset­zt hat. Dass nun im Nach­hinein die Bürg­er dieses Vorge­hen durch ihre Teil­nahme legit­imieren sollen, ist ein Betrug am Volk und wird von der AfD scharf kri­tisiert.

Der „Fach­plan“ führt in sein­er Über­schrift das Wort „Inte­gra­tion“. Inte­gra­tion set­zt logisch die Exis­tenz ein­er Ein­heit voraus, in die hinein sich die hier Angekomme­nen inte­gri­eren sollen. Wenn also von der Inte­gra­tion von Aus­län­dern in Deutsch­land die Rede ist, so kann die inte­gri­erende Ein­heit nur das deutsche Volk sein – was denn son­st? Wer das nicht akzep­tiert, kann nicht von Inte­gra­tion sprechen. Inte­gra­tion bedeutet, dass man sich ändern muss und das tut nie­mand gern, es ist nicht ein­fach und dauert lange. Wenn diese Bere­itschaft bei den Zuge­zo­ge­nen nicht beste­ht, wer­den sie sich nicht inte­gri­eren.

Im “Fach­plan” heißt es: “Inte­gra­tion wird gelin­gen, wenn sie als gemein­samer Prozess von Zuwan­der­ern und Ein­heimis­chen ver­standen und das Zusam­men­leben in Vielfalt akzep­tiert und gestal­tet wird.” Hier fragt man sich: Ja, was denn nun? Inte­gra­tion oder Zusam­men­leben in Vielfalt? Was die Stadtver­wal­tung fordert, ist also nicht Inte­gra­tion son­dern „Mul­ti­kul­ti“, und die Ver­wen­dung des Begriffes „Inte­gra­tion“ erweist sich als Täuschung, als Lüge. Das Nebeneinan­der von Kul­turen wird gefordert und soll gefördert wer­den. Eine Kul­tur beste­ht aber vor allem aus den vie­len ungeschriebe­nen Regeln, Sichtweisen und Wer­te­ori­en­tierun­gen, über die Kon­sens entste­ht und Kon­flik­te ver­mieden wer­den. Beste­hen in ein­er Gesellschaft mehrere Kul­turen, d.h. mehrere Regel­sys­teme nebeneinan­der, so existiert ein solch­er Kon­sens nicht, was im All­t­ag zu mil­lio­nen­fachen Kon­flik­ten führen kann, die es ohne „Mul­ti­kul­ti“ nicht gäbe.

Das Schlimm­ste aber ist, dass auch Demokratie auf mul­ti­kul­tureller Ebene nicht möglich ist. Der Begriff „mul­ti­kul­turelle Gesellschaft“ ist ein Euphemis­mus. Eine mul­ti­kul­turelle Gesellschaft ist notwendi­ger­weise auch eine mul­ti­eth­nis­che, wo am Ende Dik­tatur oder Bürg­erkrieg (oder bei­des) nicht auszuschließen sind (Bsp.: Südafri­ka, UdSSR, Jugoslaw­ien). Dieser „Fach­plan“ ist eine Utopie, hat wenig Bezug zur Real­ität und wird die anste­hen­den Prob­leme nicht lösen. Er kann und wird von der AfD nicht mit getra­gen wer­den.

Quelle: Michael Kater, “Kri­tik am Fach­plan Asyl und Inte­gra­tion 2022”, 23.05.2019