Aus dem Wahlkreis

[Gastbeitrag:] Die neuen Nazis – Frage- oder Ausrufezeichen?

Kürz­lich habe ich mich in Zschertnitz an einem unse­rer Wahl­stän­de betei­ligt. Es war eine gemein­sa­me Akti­on unse­rer Wahl­kreis­kan­di­da­tin Sil­ke Schöps für den Stadt­rat, mir als Kan­di­da­ten für den Stadt­be­zirks­bei­rat Plau­en und wei­te­ren Mit­strei­tern. Gemein­sam dis­ku­tier­ten wir mit Bür­ge­rin­nen und Bür­gern und stell­ten dabei unse­re Zie­le und Posi­tio­nen dar.

Unter den vor­bei­kom­men­den Men­schen waren auf­fal­lend vie­le mit einem offen­sicht­li­chen Migra­ti­ons­hin­ter­grund. So ergab sich auch nach eini­ger Zeit ein aus­führ­li­ches Gespräch mit einem von ihnen. Es war ein Syrer, jetzt Stu­dent in Dres­den, gebil­det und mit fast per­fek­tem Deutsch. Er kann­te sich auch in deut­sche Poli­tik und in Zuwan­de­rungs­fra­gen aus, hat­te eine eher vor­ge­fer­tig­te Mei­nung zur AfD, dis­ku­tier­te aber trotz­dem lei­den­schaft­lich mit mir über sie, Syri­en und den Islam.

Nach eini­ger Zeit gestand er mir ein, dass ich nicht die­sem wohl nega­ti­ven Bil­de über die AfD ent­sprä­che. Er sei vor Assad vor Jah­ren geflo­hen, und kön­ne auch jetzt nach Kriegs­en­de wegen die­ses Dik­ta­tors nicht nach Syri­en zurück. Er mein­te, er wür­de ein­ge­sperrt und mach­te dazu die bekann­te Hals­ab­schnei­der-Geste.
Ich kann schwer abschät­zen, wie sehr er sei­ner­zeit gegen Assad ein­ge­tre­ten ist. Momen­tan sucht Assad aber drin­gend Rück­keh­rer, die das vor­ran­gig von den eige­nen fun­da­men­tal-isla­mi­schen Mili­zen zer­stör­te Land wie­der auf­bau­en. Unstrit­tig ist sicher, dass auch die Trup­pen Assads bei deren Bekämp­fung nicht zim­per­lich umge­gan­gen sind. Fakt ist aber auch, dass vor dem soge­nann­ten ara­bi­schen Früh­ling Syri­en ein unzer­stör­tes und für die Mehr­zahl der Syrer und Tou­ri­sten ein siche­res Land war.

Infostand in Zschertnitz
Info­stand in Zschertnitz

Natür­lich ver­such­te der Syrer auch, mich von der Fried­fer­tig­keit des Islam zu über­zeu­gen. Schuld an den Pro­ble­men, auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Strö­mun­gen sind natür­lich immer ande­re. Da ich mich als über­zeug­ter Athe­ist aus­ge­ge­ben hat­te, der zur Erklä­rung und Recht­fer­ti­gung kei­ner vom Men­schen geschaf­fe­nen Reli­gi­on bedarf, ver­such­te er mein für ihn wohl gei­sti­ges Vaku­um mit einer sanf­ten Wer­bung für den Islam zu fül­len. Aber ich woll­te mich nicht von einer vor­auf­klä­re­ri­schen, für uns mit­tel­al­ter­li­chen Ideo­lo­gie wer­ben las­sen.

Zu die­sem Zeit­punkt kam ein zwei­ter Syrer hin­zu, undeut­li­che Aus­spra­che, schlech­tes Deutsch, offen­sicht­lich weit weni­ger gebil­det und weit weni­ger tole­rant. Es war der unan­ge­neh­me Typ, mit dem ich nie ein Gespräch allein geführt hät­te. Bei­de kann­ten sich wohl näher. Das Gespräch wur­de plötz­lich in Rich­tung Natio­nal­so­zia­lis­mus gelenkt. Ob ich wüss­te, dass Hit­ler in der ara­bi­schen Welt ver­ehrt wür­de? Er wol­le sich am lieb­sten ein Hit­ler­bild auf den Unter­arm täto­wie­ren las­sen, und zeig­te mir die dafür vor­ge­se­hen Stel­le.

Das Gespräch wur­de schär­fer, auf ein­mal zeig­te der Hin­zu­ge­kom­me­ne mit dem aus­ge­streck­ten rech­ten Arm mehr als deut­lich den Hit­ler­gruß. Da mach­te ich bei­den schnell klar, dass ich als AfDler nichts mit dem ver­bre­che­ri­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus am Hut habe und been­de­te sehr schnell das Gespräch, zu dem es kei­ner­lei Grund­la­ge mehr gab. Man stel­le sich nur vor, ein wirk­li­cher Rechts­ra­di­ka­ler hät­te dort die­se Geste gezeigt! Aber als Ara­ber genießt man offen­bar Nar­ren­frei­heit. Lei­der sind die Nähe und auch der kon­kre­te Kon­takt zwi­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus und Isla­mis­mus nur weni­gen bekannt, dies passt ja auch nicht ins der­zei­ti­ge links-grü­ne Welt­bild.

Autor: Sieg­mar Baum­gär­tel, AfD-Kan­di­dat für den Stadt­be­zirks­bei­rat (Dresden-)Plauen