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Quer­den­ken-Demo in Leip­zig: Wie sich die Regie­ren­den ihre Rea­li­tät zurecht lügen

Mit etwas Abstand nun eine klei­ne Nach­be­trach­tung der Quer­den­ken-Demo in Leip­zig vom letz­ten Sonn­abend (7.11.2020). In den Medi­en konn­te man z.T. ja regel­rech­te Hor­ror-Mel­dung lesen. Man lies prak­tisch nichts aus, um die Quer­den­ken-Bewe­gung in ein mög­lichst schlech­tes Licht zu rücken und ihr eine laten­te Gewalt­be­reit­schaft anzu­dich­ten. Ich war aber dabei und kann bezeu­gen, dass die »Quer­den­ker« sich fried­lich ver­sam­melt haben. Von Ran­ge­lei­en habe ich per­sön­lich abso­lut nichts mit­be­kom­men, auch nichts von den „Extre­mi­sten, Chao­ten, gewalt­be­rei­te Men­schen“, die die Bun­des­re­gie­rung in Leip­zig ver­mu­tet. Zumin­dest waren die nicht Teil unse­rer Demo.

Aller­dings war mir auf­ge­fal­len, dass sich zwi­schen den fried­lich-fröh­li­chen Demon­stran­ten Per­so­nen beweg­ten, die auf der Demo irgend­wie »falsch« waren. Sie schie­nen nicht dazu gehö­ren zu wol­len und auch nicht bereit zu sein, mit den Demo-Teil­neh­mern auch nur in non-ver­ba­len Aus­tausch zu tre­ten. Meh­re­re Beob­ach­ter tei­len mei­nen Ein­druck, dass auf der Demo Pro­vo­ka­teu­re unter­wegs waren, die letzt­lich wohl auch für die Eska­la­ti­on am Ran­de ver­ant­wort­lich sind. Beson­ders inter­es­sant dazu ist das Video mei­nes Stadt­rats­kol­le­gen Frank Han­nig der als Anwalt die Demo beglei­tet hat­te. Er erkann­te Stra­te­gien wie­der, mit denen sei­ner­zeit in der DDR die Sta­si Demon­stra­tio­nen infil­triert und in Miss­kre­dit gebracht hat­te. Der Jour­na­list Boris Reit­schu­ster fühl­te sich an Metho­den des KGB erin­nert. Zufall?

Zu die­sem Zeit­punkt war die eigent­li­che, regu­lär ange­mel­de­te Demo längst durch die Ver­samm­lungs­be­hör­de auf­ge­löst wor­den. Die gro­ße Mehr­heit for­mier­te sich zu einem neu­en Demon­stra­ti­ons­zug in Rich­tung Haupt­bahn­hof. Dort hat­te – wohl auch auf­grund der Näher zu einer Gegen­de­mo – die Poli­zei eine Sper­re errichtet.

Dort flo­gen auch aus den Rei­he der Pro­vo­ka­teu­re und/​oder der Anti­fa Fla­schen und Feu­er­werks­kör­per in Rich­tung Poli­zei. Ich hat­te mich zu die­sem Zeit­punkt an der Sper­re vor­bei geschli­chen und beob­ach­te­te von der ande­ren Sei­te das Gesche­hen. Die Demon­stran­ten wur­den letzt­lich durch­ge­las­sen und ström­ten Rich­tung Haupt­bahn­hof. Zu die­sem Zeit­punkt ver­lies ich die Sze­ne­rie und brach aus Leip­zig auf.

Man liest jetzt über­all – beson­ders von Links­au­ßen – die For­de­rung, die Poli­zei hät­te die Demon­stran­ten nicht gewäh­ren las­sen, son­dern »durch­grei­fen«. Wie muss man sich das Vor­stel­len? Mit Was­ser­wer­fern und Gum­mi­knüp­peln gegen Fami­li­en mit Kin­der­wa­gen und Senio­ren? Ich kann der säch­si­schen Poli­zei nur aus­drück­lich für ihr maß­vol­les und dees­ka­lie­ren­des Vor­ge­hen danken.

Unterm Strich war die Auf­lö­sung der Demo durch die Leip­zi­ger Ver­samm­lungs­be­hör­de (wohl auf Anwei­sung von ganz oben???) für die Quer­den­ken-Bewe­gung gera­de­zu ein Geschenk. Durch den spon­ta­nen Demon­stra­ti­ons­zug, der ein­mal um den gesam­ten Stadt­ring führ­te, sind sich die Bür­ger ihrer Kraft bewusst gewor­den. Solan­ge sie nur vie­le genug sind, kann sie nichts mehr auf­hal­ten. Die­ses Poten­ti­al muss jetzt fried­lich genutzt wer­den, um die For­de­run­gen durch­zu­set­zen! Wir brau­chen eine neue, demo­kra­tisch-patrio­ti­sche Wen­de in Deutschland!